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Ein magischer Moment auf dem Eis

Eishockey: Eric Strieska aus Böblingen spielt bei den Stuttgart Rebels in der Regionalliga und ist zudem Trainer der zweiten Mannschaft
Wer hierzulande Eishockey-Profi werden will, der hat es nicht einfach. Eric Strieska aus Böblingen war auf dem Weg dorthin, spielte sogar in der ersten finnischen U20-Liga. Heute geht der 23-Jährige für die Stuttgart Rebels in der Regionalliga auf Torejagd und trainiert die zweite Mannschaft in der Landesliga.

Von Sandra Langguth

09.11.2017 BÖBLINGEN. Mit drei Jahren stand Eric Strieska zum ersten Mal auf dem Eis. Ein magischer Moment. Und eine Erfahrung, die sein Leben verändern sollte. „Meine Eltern stammen aus der Slowakei, da ist Eishockey sowas wie ein Nationalsport, wie Fußball in Deutschland“, erzählt der Böblinger. Fortan zog es ihn auf die Waldau nach Degerloch. Erst lernte er bei den Bambini das Einmaleins des Schlittschuhlaufens. „Da geht es darum, ein Gefühl für das Eis zu bekommen. Die Kinder schieben deshalb erstmal einen kleinen Pinguin vor sich her“, erinnert sich der 23-Jährige lachend. Ganz ohne tierische Hilfe fand Eric Strieska schnell Gefallen am flotten Spiel mit Schläger und Puck und ging bis zu seinem 13. Lebensjahr auf der Waldau ins Training, ehe der Wechsel zu den Bietigheim Steelers in die Schüler-Bundesliga anstand.
Als Außenstürmer hatte er dort mit seinem Teamkameraden Matthias Vostarek einen richtigen Lauf. „Wir haben zusammen fast 100 Scorer-Punkte gemacht. Mal gab er die Vorlage und ich hab getroffen, mal andersrum.“ Mit ihrer Torausbeute hatten die beiden maßgeblichen Anteil daran, dass die Mannschaft nicht abgestiegen ist. Drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche standen damals schon an. Anfangs fuhr ihn noch der Papa hin, dann nahm Eric Strieska die Bahn. Selbstständig zu sein, lernte der Schüler der Goldberg-Realschule ohnehin schon früh. „Meine Mutter ist Chemikerin für Aromen und beruflich nach Wien gezogen, mein Vater hat geschichtet“, berichtet der 23-Jährige. So fiel ihm auch der Umzug nach Köln 2009 nicht schwer. Als 16-Jähriger lebte er dort ein Jahr bei einer Gastfamilie und ging für die Haie in der U18-DNL, der Deutschen Nachwuchsliga, auf Punktejagd. „Dass ich nicht mehr in meinem gewohnten Umfeld war, hat mich eigentlich gar nicht so beschäftigt. Ich wollte einfach Eishockey spielen.“ Und das tat er auch. Auf einer speziellen Sportschule drückte er zudem neben späteren Profifußballern wie Timo Horn oder Christian Clemens die Schulbank. Nach zwei Jahren kehrte Strieska zurück in die Heimat, machte seinen Realschulabschluss und brachte sich soweit in Form, dass ein Spielerberater ihn in die erste finnische U18-Liga vermitteln konnte. Drei Jahre verbrachte der Böblinger damals im fernen Norden, spielte erst für Salpa in Lappenranta, dann eine Saison in der U20 für Jokipojat in Joensu und ein Jahr für Tuto Hockey in Turku. „Das war eigentlich die schönste Station, auch von der Stadt und den Menschen her“, erinnert sich der 23-Jährige, der dort auch sein International Baccalaureate Diploma – vergleichbar hier mit dem Abitur – abgelegt hat. „Das war schon toll, total international.“ Gerne wäre Strieska länger in Turku geblieben, zumal mit Matthias Vostarek auch sein alter Sturmpartner zur Mannschaft stieß. „Wir haben uns dort auch eine Wohnung geteilt.“
Der Sprung zu den Seniors blieb den beiden allerdings verwehrt und sie entschieden sich, nach Deutschland zurückzukehren. Da bei Strieska in dieser Zeit außerdem eine Augenkrankheit diagnostiziert wurde, beschloss er, Eishockey nur noch hobbymäßig zu machen. „Beim Sehtest für den Führerschein kam raus, dass ich Keratokonus habe. Das heißt, meine Netzhaut ist sehr dünn, und es besteht die Gefahr, dass sie reißt. Einen Schläger sollte man da nicht unbedingt ins Auge bekommen.“ So kehrte er zu den Stuttgart Rebels zurück und spielte in der Saison 2014/15 erstmals in der ersten Mannschaft, die in der Regionalliga um Siege kämpft. Ein Jahr später übernahm er das Landesliga-Team als Trainer.
„Die ersten zwei Spielzeiten hatte ich dafür eine Sondergenehmigung. Inzwischen war ich aber auf dem C-Trainer-Lehrgang“, berichtet Strieska und zeigt seine Lizenz. „Sich mit anderen Trainern auszutauschen, hat total Spaß gemacht.“ Einen weiteren Lehrgang schließt er nicht aus, zumal die zweite Mannschaft für den Eishockey-Klub extrem wichtig ist. „Wer es nicht in die erste schafft, spielt ebenso bei mir wie viele U18-Spieler. Insgesamt hat der Kader 40 Leute“, muss Strieska jede Woche neu überlegen, wem er wann wieviel Spielzeit gibt. „Manche hängen sich auch neben dem Eis voll rein fürs Team und sind dafür nicht die besten Spieler, andere übernehmen gar keine Extraaufgaben, schießen aber Tore“, beschreibt der 23-Jährige den Zwiespalt. Deshalb nimmt er meistens zwei starke und eine nicht ganz so starke dritte Reihe mit zum Spiel, insgesamt also 17 Leute. Zweimal die Woche findet auf der Waldau das Training statt. Erst streift sich Strieska selbst die 20 Kilogramm schwere Ausrüstung über und trainiert mit dem Regionalliga-Team, ehe er anschließend noch als Trainer auf dem Eis steht. Viel Aufwand, zumal eine Saison von Ende August bis Ende März geht.
Gemeinsam mit Andreas Räth aus Gärtringen, der in der ersten Mannschaft im Tor steht, spielte Strieska vergangenen Freitagabend zuhause gegen Ravensburg. Viele vergebene Torchancen führten am Ende vor rund 300 Zuschauern zu einer knappen 2:3-Niederlage. Am heutigen Freitag wollen es die Stuttgart Rebels gegen EHC Zweibrücken besser machen. Los geht es in der Eiswelt auf der Waldau um 20 Uhr.

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